SAVOIR FAIRE #01/2017

SAVOIR VIVRE 44 «Wer einen Seitenwechsel macht, dem eröffnen sich neue Perspektiven und Sichtweisen. Er lernt, ausserhalb von bisher bekannten Lösungs- ansätzen zu denken und zu handeln. Ein Seiten- wechsel bringt neue Erfahrungen, neue Inputs, neue Fragestellungen, neue Antworten, neue Menschen.» PAUSEN PAUSEN SIND DER TREIBSTOFF FÜR EFFIZIENZ. Ein lockerer Schwatz an der Kaffeemaschine. Einige Minuten am Fenster stehen und in die Ferne blicken. Oder sich im Freien einen schmackhaften Riegel und eine Tasse Tee gönnen. Nein, es geht hier nicht um Stereotypen von faulen Mitar- beitenden, die jede erdenkliche Möglichkeit nutzen, um Zeit bis zum Feierabend zu schinden. Ganz im Gegenteil. Solche Pausen, sofern sie bewusst und in einem zeitlich ver- nünftigen Rahmen genutzt werden, senken den Spannungs- pegel im Arbeitsalltag wohltuend und bringen frischen Elan für die Fortsetzung der Tätigkeit. Viele Berufsmenschen neigen heute dazu, ihre Pausen- bedürfnisse zu ignorieren oder die kurzen Breaks am Tag auf Social Media zu verbringen. Als Folge sinkt der Energie- pegel oft schon vor Arbeitsschluss rapide ab. Oder das abend- liche Abschalten gelingt nicht mehr. Das soll nicht sein. So vereinbaren gute Chefs mit ihren Teams transparente Pausenregeln und leben diese selbst vor. Mut zur Pause ist das Thema, denn rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen, das ist die Welt von gestern. (rw) TRIX ANGST, ARBEITS- UND ORGANISATIONSPSYCHOLOGIN IN BERN UND ZÜRICH trixangst.ch SEITENWECHSEL NEUE INSPIRATION DANK TEMPORÄREM AUFGABENTAUSCH Bei Fussballern gilt die Regel nicht. Der Seiten- wechsel nach 45 Minuten ver- ändert ihr Wesen höchst unwahr- scheinlich. Das Runde muss nach wie vor ins Eckige, die Missi- on bleibt die gleiche. Ganz andere Effekte kann der Seiten- wechsel in einem Unternehmen entfalten. «Er gilt sogar als wichtiges Mittel in der Personalentwicklung», sagt Trix Angst, Arbeits- und Organisationspsychologin in Bern und Zürich. Die temporäre Übernahme einer oft ganz anderen Tätigkeit innerhalb des Betriebs kann langjährige Mitarbei- tende aus ihrem gewohnten Trott reissen und mit frischer Inspiration beseelen. Hier der Controller, der in die Produktionsabteilung wechselt, da die Telefonistin, die den Fahrzeugpark auftankt. Beliebt sind auch Seitenwechsel ausserhalb des eigenen Betriebs, die mit Freiwilligenarbeit in einer sozialen Institu- tion bestritten werden. Mit einem erweiterten Horizont, oft tief beeindruckt vom Erlebten, kehren Mitarbeitende danach ganz neu motiviert an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Die Dauer eines solchen Seitenwechsels variiere in der Regel zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten, berichtet Trix Angst aus ihrer Erfahrung. (rw) Freiwilligenarbeit erweitert den eigenen Horizont und macht oft nachhaltig glücklich.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx